Sonntag, 27. Februar 2011

Einlagen oder Zweilagen

Der geneigte Leser weiß vermutlich, was orthopädische Einlagen sind und wie sie angefertigt werden. Für Nichtkenner hier die Prozedur: Man bekommt ein Rezept oder eine Verordnung, dann wird ein Abdruck vom Fuß oder besser von beiden Füßen gemacht, dann kann man die Einlagen im günstigsten Fall nach Fertigstellung in seine Schuhe legen.

Bisher reichte ein Besuch beim Orthopäden oder beim Hausarzt, der eine Verordnung mit einem genau formulierten Text ausstellt. Dieser Text muss für jede Art von Einlage anders und wortgetreu geschrieben werden. Wer, wie ich, dachte, man könne einfach "Einlagen, orthopädisch" schreiben, der wird eines Besseren belehrt, da sich das in den vergangenen 2 oder 3 Jahren offenbar geändert hat. Oder vorher ein anderes Sanitätshaus frequentiert hat, die das etwas lockerer und kundenfreundlicher handhabten. 

Man sieht also, es ist alles nicht so einfach. Aber ich sollte von vorne beginnen.

Ich trage seit über 10 Jahren eben diese Einlagen, zum Wohle meiner Füße und meines Rückens. So alle 2 Jahre habe ich neue beantragt und auch bekommen. Auf genau diesem Wege. Mein Hausarzt verordnete sie und ich habe sie bestellt und passgenau angefertigt bekommen. PASSSGENAU, für den weitern Verlauf der Geschichte von großer Bedeutung.

Ich denke also, es sei mal wieder ein neues Paar fällig und bitte meinen Hausarzt um eine entsprechende Verordnung. Er stellt sie aus und ich wandere zu einem Sanitätshaus im benachbarten Bezirk. Vorher habe ich im Internet geschaut, wen es denn in der Nähe gibt und habe mir einen Betrieb mit mehreren Filialen herausgesucht. Eine davon befindet sich in Hohenschönhausen in einem mittelgroßen Einkaufszentrum. Weil ich glaube, ein logisch denkender Mensch zu sein, stelle ich mir vor, dass ein größerer Betrieb auch ordentliche und sorgfältige Arbeit gewährleistet. Darüber wird noch zu reden sein...

Schon nach den ersten 5 Minuten erfahre ich, dass meine Verordnung "so ja gar nicht geht, das ist der falsche Text"! Aha, und was muss da drauf? Nachdem ich mir 2 unterschiedliche Arten von Einlagen ausgesucht habe, schreibt mir die Mitarbeiterin den richtigen Text für jede Einlage auf. Damit marschiere ich wieder zum Doc, der ziemlich erstaunt ist, die Verordnung aber ändert. Und wieder zurück ins Sanitätshaus. Dort wird mir ein Fußabdruck abgenommen, einmal auf Papier, einmal in rosa Schaumstoff. Über das Papier wundere ich mich, das hat man bei mir das letzte Mal vor 10 Jahren oder so gemacht. Und irgendwie hab ich auch schon mal was von Computermessung gehört. Die Dame beruhigt mich aber, das habe alles seine Richtigkeit, und der Abdruck sei völlig ausreichend. Der Begriff "ausreichend" hätte mich stutzig machen sollen...

Ich bestelle also ein Paar für normale Schuhe und ein  Paar Einlagen speziell für Walking und Wandern. Und ich freue mich, dass meine Füße es demnächst in meinen Stiefeln und meinen Laufschuhen wieder richtig gut haben werden.

Ca eine Woche später benachrichtigt man mich, die Einlagen seien zur Abholung bereit. Im Geschäft nehme ich das erste Paar - die normalen - und will sie in meine Stiefel legen. Schon wie ich sie in der Hand halte, kommen sie mir merkwürdig schmal vor. Aber manchmal täuscht sich das Auge ja. Doch in den Stiefel gelegt, schwimmen sie hin und her und stellen als ungefähr 1,5 cm zu schmal und um eben dieses Maß schmaler als meine bisherigen Einlagen heraus. Ich gebe meinem Erstaunen Ausdruck und das Gespräch, das folgt, ist es wert, wörtlich zitiert zu werden.

Ich: "Die Einlagen sind zu schmal." Frau S.: "Das kann gar nicht sein." (Wenn ich irgendwann diesen Satz noch einmal höre, laufe ich Amok!)

"Bitte, sehen Sie selbst." Ich halte die alten und neuen Einlagen nebeneinander.

Dann kommt der Knüller - und das gehört eigentlich auf eine Bühne: "Ja das machen wir absichtlich so." (Jaaa???)

"Ach tatsächlich, warum das denn? Die Abdrücke sind doch viel breiter?"

"Ja wir gehen davon aus, dass die Schuhe schmaler sind."

"Bitte? Was bringt Sie auf den Gedanken, ich würde schmalere Schuhe als meine Füße tragen, wenn ich extra Einlagen tragen will?" "Das ist aber so." "Bitte können Sie mir erklären, warum Sie Abdrücke machen, wenn die Einlagen nicht exakt danach angefertigt werden?"

"Das  kann  nur die Werkstatt," und dann, zu Tode beleidigt, als ich die Einlagen so nicht nehmen will, "dann lassen wir sie eben zurückgehen und breiter machen." "Ja, ich bitte darum."

Die Sporteinlagen sind nach dem Schaumabdruck gefertigt worden und passgenau. Hierfür zahle ich meine Zusatzgebühren und nehme sie mit.


Das sind die Sporteinlagen, schön bunt, an den richtigen Stellen hart und weich und passen.

Ungefähr eine Woche später erfahre ich, dass die geänderten Einlagen nun auch abholbereit sind. Ich bin guten  Mutes und will sie auch gleich in meinen Stiefel legen und stelle fest, sie sind noch immer zu schmal - es fehlt noch ein halber Zentimeter. Wer jemals zu kleine Einlagen getragen hat und ständig mit dem Fuß auf einem Rand oder einer Kante gelaufen ist, weiß, wovon ich rede.



Und der Sinn von Einlagen ist es, die Füße sich angenehm fühlen zu lassen, nicht? Es entspinnt sich eine ähnliche Diskussion wie beim Mal vorher, die Dame ist auch erst wieder überzeugt, als ich alt und neu neben- bzw. aufeinanderlege. Jetzt heißt es: "Ja, aber ist doch kaum der Rede wert." Ich drücke ihr meinen Stiefel in die Hand, inzwischen ist eine zweite Mitarbeiterin dazu gekommen, die die Einlage in meinen Stiefel einpassen will: "Und sie ist ja auch noch zu kurz!" Na bitte, was sie in der Breite dazugetan haben, haben sie in der Länge weggenommen. Ist ja auch nicht mehr als gerecht.

Nun wird der Abdruck aus der Tüte genommen und angeschaut. "Hm, die Breite, ja... aber Größe 40 ist es doch." "Wie bitte, ich trage Größe 42, wie kommen Sie auf Größe 40?" "Ja, das sieht hier so aus!" Ich bin einem Ohnmachtsanfall nahe und kann es mir gerade noch verkneifen, die Damen zu fragen, ob sie hier die Einlagen nach Sicht fertigen. ("Der Fuß sieht nach 36 aus, und wir machen es etwas schmaler, weil sie sicher schmalere Schuhe trägt!") Ich kann es einfach nicht kommentieren, es spricht für sich.

Also ich nehme auch dieses Mal die Einlagen nicht mit, allerdings weigere ich mich auch, selbst die Werkstatt aufzusuchen, "um Missverständnisse zu vermeiden", wie man mir vorschlägt. "Ich gehe noch immer davon aus, dass es möglich sein muss, Einlagen passgenau herzustellen, bei den Sporteinlagen ist das ja auch gelungen. Können Sie die anderen Einlagen nicht auch nach dem Schaumabdruck machen lassen?" "Das geht nicht." (Das war noch nie so - das war schon immer so - da könnte ja jeder kommen, sucht Euch was aus.)

Ich habe jetzt lange gebetet und hoffe, der liebe Gott führt dem Einlagenmacher die Schere oder ein anderes Werkzeug und meine Einlagen sind dann richtig. Ich wäre ja nach dem ersten Misserfolg mit meiner Verordnung gerne zu einem anderen Sanitätshaus gegangen, aber da hat meine Krankenkasse was gegen. Ich werde dennoch versuchen, die Möglichkeit einer neuen Verordnung zu bekommen. In der Zwischenzeit müssen meine lieben Füßchen eben mit dem vorliebnehmen, was da ist, und bisher haben sie auch noch nicht rebelliert. Hoffen wir, dass das so bleibt. 

Kommentare:

  1. Ich leg' mich hin und lach' mich tot!!! Also ne - also wissen se!!!!!
    Meine Liebe - erstens Mal - wie Du das beschreibst - einfach göttlich! Zweitens - Du ärmste!! Wann kannst Du mit den "passgenauen" rechnen??
    Ich glaube, ich wäre schon wie das sprichwörtliche HB-Männchen in die Luft gegangen.
    Aber Du - meine "Königin der Geduld" - bis sicher auch noch freundlich geblieben ;-)) wenn auch ein wenig sarkastisch????
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Deine zarten Füßchen bald das neue Bettchen bekommen.

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  2. Lisa, das war so skurril, mir war eigentlich mehr nach Lachen als nach Ärgern.

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